Irrfahrt eines Briefes aus dem Jahr 1846

Romina Kraus und Dr. Konrad Schlude mit dem historischen Brief von 1846

Im Jahr 2018 konnte die Jestetter Verwaltungsangestellte Romina Kraus ein Dokument aus dem Jahr 1846 in Empfang nehmen (siehe Online-Ausgabe Südkurier vom 14.9.2018). Dieses Dokument ist eine Liste von Personen, die dem „Waldfrevel“ bezichtigt wurden, weil sie das ihnen zustehende Gabholz unerlaubterweise verkauft hatten. Das Dokument war offensichtlich für die Arbeit am Dorfbuch aus dem Jahr 2001 benutzt worden und hat dann nur mit Verspätung den Weg zurück ins Gemeindearchiv gefunden.

Dieser Tage tauchte interessanterweise das Anschreiben zu dieser Liste auf. Der Brief von 1846 wurde Reinhard Riegel zugespielt, der die Bedeutung erkannte und das Schreiben an das Bildungswerk Jestetten weiterleitete. Auffallend ist, dass der Brief die Lochung der Badischen Aktenheftung hat, zwei kleine Löcher im Abstand von 43 mm. Der Brief war also schon einmal archiviert, höchstwahrscheinlich im Jestetter Gemeindearchiv. Welchen Irrweg der Brief genommen hat, das ist leider unbekannt.

Geschrieben ist der Brief in einer alten deutschen Handschrift, lange vor Sütterlin. Mit seinen profunden Kenntnissen solcher alten Handschriften transkribierte Hans Fischer den Brief. Gerade die verwendeten Abkürzungen und nicht mehr geläufige Formulierungen sind ohne solche Kenntnisse nur sehr schwer zu verstehen.

Das zeigt sich schon am Absender „Bez.sforstey Jestetten“. Zu lesen ist unter anderem:

Der Waldhüter Senn hat uns die angeschlossene Anzeige gegen 12 Gabholzberechtigte von dort, welche ihr Gabholz in ein Klafter eichen Schichtholz bestehent, ohne Erlaubniß verkauft haben übergeben.

Als Leiter des Bildungswerks Jestetten konnte Dr. Konrad Schlude den Brief an Romina Kraus zur erneuten Archivierung übergeben. Die Irrfahrt des Briefes hat somit ein Ende gefunden. Für das Bildungswerk unterstreicht die Geschichte des Briefes, wie wichtig der ehrenamtliche Einsatz für das gemeinsame historische Erbe ist.